Trapattonis legendäre Wutrede: „Was erlauben Strunz?“

Giovanni Trapattoni bereitet sich auf den Tag der Abrechnung akribisch vor. Sieben, acht Zettel, so erinnert sich der damalige Mediendirektor des FC Bayern, Markus Hörwick, bringt der italienische Coach am 10. März 1998 mit ins überfüllte Pressestüberl an der Säbener Straße. „Sind Sie bereit?“, raunt Trapattoni den Journalisten zu, dann nimmt die legendäre Wutrede ihren Lauf.

„Flasche leer“, „Was erlauben Strunz?“ – im Stile eines brodelnden Vulkans zündet Trap ein dreieinhalbminütiges Sprüchefeuerwerk, das er mit den inzwischen geflügelten Worten „Ich habe fertig“ beendet. Danach will er sogar noch einmal zurück in den Presseraum – nachlegen. Hörwick schließt ihn jedoch in der Trainerkabine ein und flunkert, die Pressemeute sei schon weg.

So oder so: Mit der wohl denkwürdigsten Pressekonferenz im deutschen Fußball erlangt „Trap“ Kultstatus. Der Kern seiner Anklage: „Ein Trainer ist nicht ein Idiot!“ Also: Nicht er sei schuld am 0:1 des Meisters auf Schalke zwei Tage zuvor und den acht Punkten Rückstand des Tabellenzweiten auf Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern. Sondern: Die Spieler!

Im Kurzurlaub in Italien am trainingsfreien Montag reift in ihm die Idee zur Abrechnung. Was er dann in ein Dutzend Mikrofone brüllt, ist „keine spontane Sache“, wie Trapattoni in seiner 2016 erschienen Biographie („Ich habe noch nicht fertig“) schreibt. Er hatte sogar einen befreundeten italienischen Journalisten angerufen, „weil ich wahrlich ein Riesentohuwabohu veranstalten wollte“.

Die Spieler waren „alle geschockt über das Ausmaß seines Zorns“, sagte Strunz zum 15-jährigen Jubiläum der SZ. Er habe danach eine harte Zeit durchlebt, „ich war auf einmal das Synonym des verwöhnten Fußballers“. Inzwischen hat er sich mit Trapattoni längst ausgesprochen.

Und „ich habe fertig“? Wurde in einen Band mit historischen Zitaten aufgenommen, schreibt Trapattoni stolz. „Dort steht es nun neben Zitaten wie ‚I have a dream‘ von Martin Luther King, um nur eines zu nennen. Nicht schlecht.“

Trapattoni plante die legendäre Wutrede schon im Voraus. ©SID ALEXANDER KLEIN

Text und Foto: SID

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