11. Oktober: Werder-Wunder von der Weser

Bremen (SID) – Für Werder Bremen und seine Fans war es ein erneutes Wunder von der Weser, für die DDR-Staatssicherheit eine Befleckung der Überlegenheit des Sozialismus. „Die Mannschaft war ideologisch und moralisch nicht auf das Spiel eingestellt. Die Delegation hatte keine funktionsfähige Leitung“, brachten die Mitarbeiter des „VEB Horch und Guck“ später nüchtern zu Papier.

Statt mit einem 3:0-Vorsprung aus dem Hinspiel in Ost-Berlin den „BRD-Meister“ Werder Bremen erneut sportlich zu demütigen, gingen die Staatsamateure des von Erich Mielke protegierten Stasiklubs BFC Dynamo im Weserstadion am 11. Oktober 1988 mit 0:5 unter. Eine Blamage für den bei vielen Ostdeutschen alles andere als beliebten DDR-Serienmeister.

Den Grundstein für die vernichtende Niederlage der Gäste legten die Hanseaten schon am Morgen des Spieltags. Der listige Werder-Manager Willi Lemke lud den Dynamo-Tross zum Einkaufsbummel in der Bremer City ein – mit Werder-Rabatten. „Wir haben uns mehr Gedanken um unsere Elektrogeräte als um das Spiel gemacht. Das hatte Willi geschickt eingefädelt“, erzählte Torjäger Thomas Doll Jahre später dem NDR.

Eine grün-weiße Charmeoffensive, von der sich auch Jürgen Bogs überrumpeln ließ: „Die Spieler waren prächtig abgelenkt von der eigentlichen Mission.“ Aber verbieten mochte der Trainer seinen Spielern die Shopping-Tour auch nicht, auch dafür steckte der Coach nach der Rückkehr einen offiziellen Verweis ein.

Bogs‘ Großzügigkeit dankten ihm seine Schützlinge auf dem Rasen nicht, im Gegenteil: Ohne große Gegenwehr hatte die Truppe von Otto Rehhagel schon nach gut einer Stunde den Rückstand aus dem Hinspiel aufgeholt, zwei weitere Werder-Tore in den letzten zehn Minuten rundeten die spektakuläre BFC-Pleite ab.

Die auch zustande kam, weil die Norddeutschen mit Manfred Burgsmüller ein echtes Schlitzohr in ihren Reihen hatten. Von „Manni“ stammte die Idee, den psychologischen Druck auf den Gegner lautstark zu erhöhen. Also hämmerte der Stürmer kurz vor Spielbeginn an die Kabinentür der Gäste mit den Worten: „Kommt raus, ihr Feiglinge, es wird furchtbar.“ Er sollte recht behalten…

Mit Otto Rehhagel schaffte Bremen die Aufholjagd. ©FIRO/SID

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