Das SID-Kalenderblatt am 20. Oktober: Der Büchsenwurf von Mönchengladbach

Mönchengladbach (SID) – Italienische Fußballer gelten in Deutschland gemeinhin als Schauspieler. Für den Ursprung dieses Vorurteils dürfte sich Roberto Boninsegna als Mitverantwortlicher zeichnen. Auch wenn der ehemalige Stürmer das natürlich anders sieht. Denn auch 50 Jahre nach dem legendären Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Inter Mailand behauptet er, von einer vollen Cola-Büchse am Kopf getroffen worden zu sein.

Am 20.10.1971 treffen Gladbach und Inter im Europapokal der Landesmeister in der 2. Runde aufeinander. Die Borussia liegt mit 2:1 in Führung, als in der 28. Minute eine Büchse in Richtung Spielfeld fliegt. „Ich war an der Außenlinie auf dem Weg zum Tor, da traf mich die Büchse am Kopf. Ich war sofort bewusstlos“, sagte Boninsegna: „Aber ihr Deutschen wollt mir einfach nicht glauben.“

So hat auch sein damaliger Gegenspieler Ludwig Müller Zweifel. Statt am Kopf habe die Büchse Boninsegna „oben an der Schulter getroffen.“ Zunächst habe der Italiener nicht reagiert, „dann kam der Kapitän Sandro Mazzola auf ihn zu und rief, Roberto solle sich fallen lassen. Wie von Geisterhand ist Boninsegna dann dahingesunken und hat sein Schauspiel abgeliefert.“

Bei einem Tritt gegen die Büchse kurz nach dem Vorfall habe Müller zudem gemerkt, „dass sie leer war und nicht voll, wie später behauptet wurde.“ Auch soll Boninsegna seinen Mitspielern beim Abtransport „zugezwinkert“ haben. Aussage gegen Aussage.

Die Folgen des Wurfes sind aus Gladbacher Sicht verheerend. Im Spiel ist die Elf von Hennes Weisweiler wie entfesselt und siegte sensationell mit 7:1. Eines der besten Fußballspiele eines deutschen Teams auf internationaler Bühne. Doch Inter legt Protest ein und bekommt Recht, das Ergebnis wird annulliert. Erstmals in der UEFA-Geschichte muss ein Spiel wiederholt werden.

Weisweiler spricht von einer „unmöglichen Strafe.“ Vor dem Wiederholungs-Hinspiel findet zwei Wochen nach dem Büchsenwurf zunächst das Rückspiel statt. Gladbach verliert 2:4. Als zusätzliche Strafe muss die Borussia das Wiederholungsspiel in Berlin austragen, die Partie endet 0:0. Gladbach scheidet aus, Inter wird es bis ins Finale schaffen.

Der Täter des Wurfes wird nie ermittelt. Ausgestellt ist die Dose heute im Vereinsmuseum von Vitesse Arnheim. Der damalige niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans hatte die Büchse mitgenommen und in seiner Heimatstadt zur Verfügung gestellt. Auch er war sich sicher: „Boninsegna hat das gut gespielt. Beweisen kann ich nichts.“

13 Jahre nach dem Büchsenwurf wurde Boninsegna dann tatsächlich Schauspieler und übernahm eine Rolle im Terence-Hill-Film „Keiner haut wie Don Camillo“. Für die Gladbacher begann seine Schauspielkarriere schon 1971.

Das Wiederholungsspiel in Berlin endete Torlos. ©SID STAFF

Text und Fotos: SID

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