Tönnies-Labor könnte Fußballprofis auf Corona testen

Bei der Fortsetzung der Saison im deutschen Profifußball mitten in der Corona-Krise könnte der Fleischkonzern von Schalke-Boss Clemens Tönnies eine bedeutende Rolle spielen.

Wie das in Bielefeld erscheinende WESTFALEN-BLATT (Samstagausgabe) berichtet, steht das Unternehmen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Kontakt, um eine mögliche Nutzung des Tönnies-Firmenlabors für Corona-Tests bei Bundesligaprofis auszuloten. Die so genannten Schnelltests gelten als eine Voraussetzung, um einen geordneten Spielbetrieb durchführen zu können.

Mit der DFL habe es „erste Überlegungen zur Nutzung gegeben, ob ein Einsatz sinnvoll wäre“, sagte ein Unternehmenssprecher der Zeitung. „Bislang werden unsere Laborkapazitäten aber noch nicht in Anspruch genommen.“

Tönnies verfüge über ein „akkreditiertes Labor, in dem täglich Schweineblut in modernen Analyserobotern auf Antikörper untersucht werden. Diese Laborkapazität könnte vorübergehend auch für Massen-Antikörpertests für menschliches Blut eingesetzt werden“, erklärte der Sprecher.

„Für den Fall, dass ein Kapazitätsengpass in medizinischen Fachlaboren besteht, haben wir angeboten, dass Behörden oder medizinische Fachlabore unsere Kapazitäten nutzen können.“ Grundsätzlich stehe das Tönnies-Labor am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück auch für weitere Einsätze offen. Bei einer entsprechenden Ausweitung der Arbeitsschichten im Firmenlabor könnten „mehrere Tausend Proben am Tag auf Antikörper untersucht werden“, erklärte der Unternehmenssprecher.

In Gedankenspielen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 1. und 2. Bundesliga gibt es Überlegungen, die Spieler sowie Trainer- und Funktionsteams alle drei Tage auf eine Corona-Infektion zu testen. So sollen Infektionsfälle schnell entdeckt und isoliert werden, um nicht mehr weite Teile der Mannschaft als Kontaktpersonen in eine 14-tägige Quarantäne schicken zu müssen, was die Pläne für eine geordnete Durchführung und reguläre Beendigung der Saison massiv gefährden würde.

Die engmaschige Überwachung des Gesundheitszustands durch die regelmäßigen Tests soll diese Gefahr minimieren. Das würde rund 20.000 Tests bis zum geplanten Saisonabschluss Ende Juni erfordern.

In diesem Zusammenhang hatten Kritiker gemahnt, der Fußball dürfe nicht Laborkapazitäten für das Gesundheitswesen blockieren. Mit einer Nutzung des privaten Tönnies-Labors könnte dieses Argument entkräftet werden.

Knapp bleiben gleichwohl die Testkapazitäten: Die Lieferung der von Deutschlands größtem Fleischkonzern bestellten Test-Kits für menschliche Antikörper-Untersuchungen lasse wegen der großen Nachfrage noch auf sich warten, sagte der Firmensprecher.

ots

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